Arktische Abenteuer – Virtual Design Magazine im Interview mit Reisejournalistin und Fotografin Birgit-Cathrin Duval

Arktische Abenteuer

2013 hat sie den GO MEDIA AWARD für die beste internationale Reisegeschichte über Kanada in Print und Online erhalten.

Gleichzeitig war sie Finalistin des GO MEDIA 2013 AWARD für die beste Fotoreportage über Kanada sowie Finalistin des GO MEDIA 2013 AWARD für das beste Online- Video. 2014 gab es erneut eine 2-fache Nominierung: Finalistin für das beste Video und den Top-Award, den KEEP EXPLORING AWARD OF EXCELLENCE, mit dem sie für ihre langjährige Berichterstattung über Kanada ausgezeichnet wurde.

Gemeint ist die Reisejounalistin und Fotografin Birgit-Cathrin Duval. Kanada scheint es gut mit ihr zu meinen. Und sie muss wohl dieses Land lieben.

Ansonsten würden nicht solche Geschichten entstehen können wie vom Eisbären Bob. Als das Licht vom Himmel fiel, titelte die Badische Zeitung: Ein Wintermärchen in Kanada: Die Geschichte vom Eisbären Bob und einer ungewöhnlichen Nacht!

Nunavut ist das Land der Eskimos. Für mich ist das ein „Sehnsuchtsort“ schreibt sie auf ihrem Blog, takkiwrites. In diesem Jahr reiste sie in die Arktis: in die entlegene Siedlung Repulse Bay im Nunavut Territorium wo sie das Leben der Inuit kennenlernte, schnorchelte in Churchill in der Provinz Manitoba mit Belugas und kam Eisbären ganz nahe. Weiter ging es nach Neufundland und Manitoulin Island in Ontario. Es entstanden faszinierende Fotos, Videos und Reportagen.

Virtual Design Magazine:
Frau Duval, erstmal Gratulation zu dem diesjährigen Award.
Aber es scheint Sie ja geradezu magisch anzuziehen, wo es kalt ist. Nicht wo es ein bisschen kalt ist, sondern richtig kalt ist. Aber es wird nicht an der Kälte liegen, sondern an einer anderen Magie, die von Kanada auszugehen scheint? Die Sie so inspiriert, um solche Reportagen zu produzieren?

Birgit-Cathrin Duval:
Ja, ich mag die Kälte tatsächlich. Allerdings ist es im Sommer erstaunlich warm in der Arktis. Sonst wäre ich trotz Neoprenanzuges sicher in der Hudson Bay erfroren. Wenn der erste Beluga unter einem taucht und neckisch seinen Kopf dreht um dich anzusehen, ist die Kälte (ca. 5 Grad plus Wassertemperatur) sowieso vergessen. Dann bist du von dieser Begegnung so berauscht und spürst nur noch Glückshormone. Churchill im Winter ist eine Herausforderung. Bei minus 30 Grad im eisigen Sturm Eisbären fotografieren, da braucht es eine gute Ausrüstung und man muss sich warm anziehen. Mir sind beim Fotografieren fast die Finger am Auslöser erfroren und die Akkus der Kamera haben schlapp gemacht. Noch heute habe ich eine Narbe auf der Nasenspitze, die einen “Frostbite” abbekommen hat.

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Birgit – Cathrin Duval

Virtual Design Magazine:
Neben dieser Faszination haben sie doch einen Masterplan. Beispiel Arktis. Sie müssen sich doch im Vorfeld sehr genau mit den Gegebenheiten auseinandersetzen, die an einem solchen Ort herrschen. Welche Menschen leben dort oder wie möchte ich die Natur und diese Menschen darstellen. Entsteht so etwas wie ein Storyboard bei Ihnen im Vorfeld im Kopf?

Birgit-Cathrin Duval:
Natürlich recherchiere ich bevor ich zu einem Ort reise. Allerdings lasse ich mich auf die Umstände und die Menschen vor Ort ein. In der Arktis braucht man Geduld. Dort hängt erstmal alles vom Wetter ab. Bei Schneesturm oder Nebel können die Flugzeuge nicht in die Luft. Das bringt dann den ganzen Zeitplan durcheinander. Man muss flexibel sein und sich auf neue Situationen einstellen. Oft ergibt sich eine spannende Story ganz nebenbei. Oder man trifft eine Person und plötzlich entwickelt sich etwas. Das wichtigste ist, mit offenen Augen und Ohren unterwegs sein und seiner Intuition zu folgen.

Virtual Design Magazine:
Die Vorbereitung auf eine solche Reise ist doch sehr aufwendig. Wieviele Monate muss man planen, um eine solche Reisereportage anzugehen. Viele Dinge im Land entstehen doch wahrscheinlich auch intuitiv. Muss man sich teilweise auch treiben lassen können, um die Faszination eines solchen Landes zu erfahren. Oder arbeiten Sie eine solche Reise nur nach strikten Programmpunkten ab?

Birgit Cathrin Duval:
Es hängt immer von der Reise ab. Es gibt Gruppenreisen für Journalisten, bei denen ein Programm vorgegeben ist. Wenn ich alleine reise, habe ich natürlich mehr Zeit für individuelle Recherchen und kann mir die beste Zeit fürs Fotografieren aussuchen. Bei Reisen in die Arktis spielt Glück eine Rolle. Natur und Tiere lassen sich nicht planen. Da kann es sein, dass ein Eisbär stundenlang im Schnee schläft und nichts passiert, während andere Fotografen kämpfende Eisbären vor die Linse bekommen. Anders als Tierfilmer, die oft Wochen oder gar Monate für eine Recherche unterwegs sind, habe ich vor Ort häufig nur maximal sechs Tage für meine Reportagen.

Virtual Design Magazine:
Wenn man von einer Reportage wie in Kanada nach Hause kommt. Was ist das für ein Gefühl? Sie sind doch immer sehr dicht dran am Wesentlichen. An der Natur. An den Menschen. An den Eisbären. Das muss doch eine ganze zeitlang Nachschwingen.
Oder kann man sofort neue Sachen angehen? Ganz andere Dinge. Sie haben doch auch schon Leute wie Roger Willemsen fotografiert. Braucht man einen Break zwischendurch?

Birgit-Cathrin Duval:
Das kommt mir vor wie ein Traum. Ich frage mich, ob ich wirklich dort war, wenn ich die Bilder am Computer ansehe. Einem Eisbär quasi Auge in Auge zu begegnen ist eines der eindrücklichsten Erlebnisse. Die spannenden Augenblicke erlebe ich ja immer durch den Sucher der Kamera. Ich bin mir sicher dass ich die Begegnung noch viel intensiver wahrnehmen würde, wenn ich nicht die Kamera vorm Gesicht hätte. Beim Fotografieren muss ich mich auf viele Dinge konzentrieren, um den Augenblick einzufangen. Da bleibt keine Zeit zum Staunen. Das kommt immer erst hinterher. Hab ich das tatsächlich erlebt?

Als uns das Buschflugzeug wegen schlechten Wetters nicht von der Nanuk Lodge abholen konnte, ging ich mit unserem Guide Andy zum Cranberry-Pflücken. Wir fuhren auf einem ATV in die Tundra. Andy hatte natürlich ein Gewehr dabei. Dort draußen im Sturm kann jederzeit ein Eisbär auftauchen und wir pflücken Cranberries wie in Omas Garten – das war eines der intensivsten Erlebnisse dort. Man erlebt und spürt alles viel intensiver. Wahrscheinlich weil man seine ganze Aufmerksamkeit auf den Augenblick lenkt. Du musst dich auf deine Umgebung konzentrieren, musst mit wachen Sinnen deine Umgebung abscannen. Da bleibt keine Zeit, irgendwelchen Gedanken nachzuhängen. Als wir mit gefüllten Eimern auf dem ATV zurück zur Lodge fuhren, tauchte dann auch tatsächlich ein Eisbär auf.

Es ist tatsächlich so, dass ich mich in der Arktis wacher und lebendiger fühle. Das hat auf jeden Fall etwas mit der rauen Umgebung dort zu tun. Die Arktis fordert dich heraus. Im Winter ist es die Kälte, im Sommer sind es ganze Schwärme von Mücken, Moskitos und ganz fiesen Black Flies, die fürchterlich beißen.

Virtual Design Magazine:
Was glauben Sie macht den Erfolg Ihrer Arbeit aus? Speziell den in Kanada. Sie haben als erste ausländische Journalistin den GO MEDIA 2014 Keep Exploring Award erhalten. Ihre Videos und Fotos sind ausgezeichnet. Sie schaffen mit Ihrer Arbeit ja ein Gesamtkunstwerk.
Fotos, Videos und Reportage. Kann man so etwas planen oder waren Sie auch dieses Jahr wieder sehr überrascht vom Erfolg Ihrer Arbeit. Letztes Jahr haben Sie ja über Twitter erfahren, dass Sie gewonnen haben.

Birgit-Cathrin Duval:
Dass ich im diesem Jahr erneut in zwei Kategorien Finalistin war und dann auch noch den Hauptpreis gewonnen habe ist fantastisch und eine tolle Auszeichnung für meine Arbeit. Denn ausländische Journalisten haben es im Vergleich zu englischsprachigen schwerer. Unsere Geschichten werden übersetzt und auch der Schreibstil für die deutschen Medien unterscheidet sich sehr. Die Berichte in den deutschen Medien sind viel kritischer und werden häufig nicht aus der eigenen Erzählperspektive geschrieben, während die Kollegen aus USA oder Kanada sehr emotional schreiben. Die Geschichte über den Eisbär Bob und den Nordlichtern war eine emotionale Story, die die Jury überzeugte. Dass ich auch in diesem Jahr mit meinem Videobeitrag im Finale war zeigte mir, dass ich mich mehr auf das Medium Video konzentrieren sollte.

Virtual Design Magazine:
Alles erfordert doch wahrscheinlich sehr viel Euquipment. Was benötigt man für diese Art von solchen Reportagen? Oder arbeiten Sie nur mit den notwendigsten Basics?

Birgit-Cathrin Duval:
Im Vergleich zu den anderen Fotografen, Amateur-Fotografen mit eingeschlossen, besitze ich keine teuren Kameras. Ich fotografiere mit einer Nikon D 700, die schon einige Jahre alt ist und besitze ein 80-200er Objektiv. Für die Reportage bei den Eisbären hatte ich außerdem meine noch viel ältere Nikon D 200 mit einem 18-200er Tele im Einsatz. Da wir sehr nah an den Eisbären dran waren, reichte das aus. Allerdings versagten an einem kalten Tag beide Kameras. Netterweise stellte mir ein Kollege eine seiner Kameraszur Verfügung. Das war eine der neuen Nikon-Kamera und das machte sich natürlich bei den Aufnahmen bemerkbar. Ich konnte viel schneller fokussieren als mit meinem alten Objektiv. Die beiden Online-Videos, die es bis ins Finale bei den GoMedia Awards schafften, zeichnete ich mit einer winzigen Flip-Mino Kamera auf. Es kommt also weniger auf das Equipment an, sondern darauf, ob es gelingt, eine Story zu erzählen, die den Betrachter in die Geschichte hineinzieht. Wenn man nicht weiß, wie man eine Geschichte filmt, nützt es nichts, mit der teuren HD-Kamera zu filmen.

Virtual Design Magazine:
Dann gab es da die Geschichte mit dem Eisbären. Genauer gesagt mit Bob, dem Eisbären.
Was ist da genau passiert? Liest man den Artikel in der Badischen Zeitung mit der Überschrift „Als das Licht vom Himmel fiel“ klingt das sehr nach der Poesie eines Moments.

Birgit-Cathrin Duval:
Wenn man in einer sternklaren Nacht die Polarlichter über den Himmel tanzen sieht, ist das ein spirituelles Erlebnis. Man ist wie gebannt und ergriffen von dem, was sich da am Himmel abspielt. Das lässt sich tatsächlich kaum in Worte fassen. Und mir kam es so vor, als ob das Licht vom Himmel fällt, weil die Strahlen der Lichter direkt über meinem Kopf tanzten und es sich so anfühlte, als würde man vom Licht des Himmels ergriffen. Die Lodge ist ja eingezäunt, damit die Bären nicht ins Haus kommen. Draußen gibt es einen ebenfalls eingezäunten Bereich mit einem Podest, von dem man die Polarlichter beobachten kann. Ich bemerkte dann plötzlich einen Schatten unter mir. Es war unheimlich, weil ich keine Geräusche hörte. Und dann sah ich, dass direkt unter mir der Eisbär am Zaun vorbeiging. Als ob er ein Geist wäre, so plötzlich tauchte er auf und verschwand auch wieder.

Virtual Design Magazine:
Ich vermute, Sie haben schon Zukunftspläne für 2015. Sie leben ja im Schwarzwald,
also eher da, wo es etwas wärmer ist als in Kanada. Was steht an für 2015?
Oder ist das noch ein Geheimnis?

Birgit-Cathrin Duval:
Vor einigen Wochen habe ich meine Arbeiten an einem Buch über den Schwarzwald abgeschlossen. Es heißt Kraftorte im Schwarzwald und beschreibt viele meiner persönlichen Lieblingsorte im Schwarzwald und dem neuen Nationalpark. Wie zum Beispiel einen Abend am Ufer des Wilden Sees. Dort sieht es aus wie in Kanada. Ich werde auf jeden Fall viel im Schwarzwald unterwegs sein. Ich hoffe auf einen richtigen Winter mit viel Schnee. Denn ich recherchiere eine Geschichte über den Westweg im Winter auf Schneeschuhen. Im vergangenen Winter mussten wir die Reportage abbrechen, weil es einfach nicht genug Schnee hatte und viel zu warm war. Auch bei der Buchmesse in Leipzig bin ich wieder als Fotografin tätig. Und sicherlich werde ich die eine oder andere Geschichte in Kanada recherchieren, aber das ist noch nicht spruchreif. Und ich hoffe, dass ich 2015 nach Labrador reisen kann. Das ist die letzte kanadische Provinz, die ich noch nicht kennengelernt habe.

Virtual Design Magazine ( Das Interview führte Michael Hiller )
Frau Duval, vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf MEHR von Ihnen!

Kontaktdaten:

Birgit-Cathrin Duval

bcmpress

freie Journalistin – Fotografin

mail: bcmpress@web.de

web: www.bcmpress.com

blog: www.takkiwrites.com

www.schwarzwald-podcast.de

 

Michael Hiller vdm

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