Weniger, aber besser

Ein Gespräch mit dem italienischen Star-Designer Fabio Novembre über Kreativität und Inspiration.

Fabio Novembre, die meisten Ihrer Projekte weisen eine starke Ikonografie auf. Für die diesjährige imm cologne haben Sie eine Installation für Vondom gestaltet, um Ihren Stuhl „F3“ zu präsentieren, der von fließenden Linien bestimmt wird. Andere Entwürfe erscheinen geradezu „erzählerisch“, da sie mit anthropomorphen Formen spielen. Wie ist das so im Allgemeinen, wenn Sie anfangen zu designen, woher nehmen Sie die Inspiratio
Die Inspiration kommt von überall, angefangen vom Lächeln meiner Tochter bis hin zu den Wolken am Himmel. Das Leben selbst ist der Inbegriff der Inspiration. Und das Leben besteht aus Menschen, Bildern, Klängen und Räumen, die man unvermeidlich schon durch das Empfindungsvermögen gefiltert wahrnimmt. Design ist die eigene Reaktion auf all das. Ich pflege zu sagen, dass Kreativität keine Leistung ist im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern einfach eine unumgängliche Notwendigkeit, so wie Schwitzen. Der einzige Unterschied besteht darin, wie man seine Kreativität einsetzt…

Sie arbeiten mit einer Reihe internationaler Unternehmen zusammen, die womöglich bestimmte Erwartungen an Ihr Design haben, auch im Hinblick auf die eigene Design-Philosophie des jeweiligen Unternehmens. Wie wichtig sind die Vorgaben eines Unternehmens in der Zusammenarbeit, wie viel Freiheit wird Ihnen gelassen?
Das war früher durchaus der Fall, heute stimmt das nur noch teilweise. Der Markt ist gesättigt, sodass selbst Unternehmen dem Designer keine richtigen Vorgaben mehr machen können. Der Erfolg eines Objekts ist unberechenbarer denn je, und wir können uns nur noch auf unseren Instinkt verlassen. Wir sprechen dabei natürlich nicht von den Verkaufszahlen von vor 20 Jahren. Die ganze Branche befindet sich in einer schweren Krise, und es ist die Aufgabe von Designern und Herstellern, ein Konzept dafür zu entwickeln.

Sie haben Architektur studiert und arbeiten im Bereich des Interior- und des Produktdesigns sowie in deren Nachbardisziplinen. Inwieweit, glauben Sie, sind diese unterschiedlichen Bereiche und Maßstäbe miteinander verbunden?
Um Ihre Frage zu beantworten, würde ich gern Ernesto Nathan Rogers zitieren: „From the spoon to the town“ (Vom Löffel bis zur Stadt). Das ist der Slogan, den er 1952 in der Charta von Athen ins Leben rief. Er erklärte das typische Vorgehen eines Mailänder Architekten, der einen Löffel, einen Stuhl und eine Lampe entwirft, bevor er noch am selben Tag an einem Wolkenkratzer arbeitet. Ich glaube, dass dieser Ansatz immer noch funktioniert.
Wie wichtig ist der persönliche Stil im Sinne einer gewissen Kontinuität, die die verschiedenen Bereiche Ihrer Arbeit verbindet?
Man entwickelt eine eigene Herangehensweise an das Projekt, die sich als eigenen Stil definieren lässt. Was nicht heißen sollte, dass man einen Käfig um sich selbst errichtet. Man muss immer seinem Instinkt vertrauen, um die Angst vor Veränderungen zu überwinden. Wahrscheinlich ist die Evolution der ideale Stil.
Hat sich die öffentliche Meinung zu Design in den letzten Jahren verändert? Eine Tendenz zu Individualität scheint immer noch sehr stark vertreten zu sein, und auch Glamour war eine Zeitlang in; jetzt wächst die Vorliebe für ein natürlicheres oder ökologischeres Design. Wo sehen Sie die relevanten Trends für die Zukunft, auch aufgrund des sich verändernden Lebensstils? Wie beeinflussen sie Ihre Arbeit?
Ich frage mich nie selbst, wie die neuen Trends aussehen werden, auch weil ich das Wort nicht mag. Das, wonach Sie mich fragen, würde ich eher als „allgemeine Sensibilität“ definieren, und ich glaube, dass es ein verbreitetes Bestreben gibt, gesellschaftliche Themen zu verfolgen. Wir sollten alle einsehen, dass wir nicht einfach so weiter unbedacht konsumieren können wie die vorangegangenen Generationen. Der Einfluss dessen auf meine Arbeit kann in meinem neuen Motto zusammengefasst werden: Mach weniger, aber mach es besser.

Zur Person:
Dank seiner aufgeschlossenen Haltung und seinem poetischen Blick auf alles, was uns umgibt, hat sich Fabio Novembre mit außergewöhnlichen Interiors, Produktdesigns und Installationen einen Namen gemacht. Novembre studierte Architektur in Mailand, wo er 1994 auch sein Atelier gründete. Er war Art Director bei Bisazza und arbeitet mit renommierten Herstellern zusammen.
www.novembre.it

imm

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